Ich glaube viel von der Kontroverse ist auch importiert aus den USA. Dort wird immer als erstes Zensur geschrien. Aber eigentlich ist das nicht so ganz unser Kulturkreis. Wir haben keine absolute Redefreiheit. Und eigentlich ist hier auch das Toleranzparadoxon bekannt. Von daher ist nach unseren Maßstäben auch nicht immer jeder entfernte Beitrag Zensur.
Es gibt kaum grundlegende Unterschiede zwischen der Informationsfreiheit in Europa und Amerika. Die Amerikaner sind allgemein toleranter, in vielen Sachen, auch zB Einwanderung. Das ist einfach ein Vorteil für die USA. Ein grundlegender Unterschied ist das Recht auf persönliche Ehre. Das ist dem Englischen Recht irgendwann abhandengekommen. Ansonsten fällt mir allerdings nichts ein.
Naja, soweit ich weiß gibt es hier Verleumdung, diverse Delikte mit persönlicher Ehre, dank Böhmermann hat man mal an die speziellen alten Paragraphen für Staatsoberhäupter und den Papst gedacht... Man darf den Holocaust nicht leugnen. Und bei der Verleumdung liegt die Beweislast oft bei demjenigen, der/die die Behauptungen aufstellt. Die müssen dann beweisen, dass das Fakt ist. Was so ziemlich entgegengesetzt zum Konzept "Free Speech" ist.
Was ist denn das Problem mit dem Toleranzparadoxon? Ich denke die Geschichte hat doch recht eindrücklich gezeigt, dass Toleranz z.B. gegenüber Faschisten letztendlich zu Problemen führt, weil sie dann doch so schlimm sind wie befürchtet, wenn nicht noch schlimmer. Ich finde es immer sehr okay denen keinen Raum zu geben. Also sowohl im echten Leben als auch hier im Internet dulde ich sowas kaum, spreche die Probleme deutlich an, und ich verlasse auch Plattformen wie X ratz fatz, wenn die von Faschisten übernommen werden. Und wenn ich mir mein direktes Umfeld anschaue, scheint das auch ganz gut zu funktionieren?
Und ein anderes Thema was ich wichtig finde ist die Toleranz gegenüber Großkonzernen. In Amerika ist ja uneingeschränkter Kapitalismus angesagt. Und hier gibt es ja doch Bestrebungen das zu regulieren. Z.B. darf mein Internetprovider nicht jedes meiner privaten Worte weiterverkaufen. Der Arbeitgeber darf mich nicht mit ein paar Dollar fünfzig pro Stunde über den Tisch ziehen und Arbeitssicherheit abschaffen. Ich finde das schon ganz gut, dass wir dem Turbo-Kapitalismus gegenüber nicht ganz so tolerant sind, wie die Amerikaner... Also auch wenn wir nicht perfekt sind, "nutzlos" finde ich das nicht.
Finde es Recht lustig wie die Bedeutung von social media sich verändert hat - am Anfang war es eine passive chat alternative um zu sehen was Freunde und Bekannten gemacht haben, aber es hat aich so verändert zu influencer & Promi Szene und um die zu folgen und nichtmehr seine freunde.
Dazu die Veränderung von zeit basierte individuelle Interessen basierte Empfehlungen zu allgemeine "populäre" posts die einem nichtmal interessieren - wo deine Interessen und freunde komplett untergegangen sind.
Also haben sich persönliche soziale Medien im "advertiser id" mit gleiche Geschmack interessieren sich auf für Y gewandelt und sollten eigentlich nicht mehr als soziale Medien bezeichnet werden.
Ist auch eine von der Gründe warum ich irgendwann damit aufgehört habe und zurück zu Pseudonyme, nicht soziale Netzwerke gekehrt bin, sondern eher Interessen und selbst filtrier baren medien.
Diese individuelle blasen haben aber auch mehrere Negativen Auswirkungen.
Grundsätzlich finde ich löschen als Moderator nicht verwerflich, aber sehr oft empfindet der oder die deren Beiträge gelöscht werden das als persönlichen affront (und spammt mich mit DMs voll).
Bei klaren Fällen ist mir das egal, aber es gibt halt auch viele die man dadurch erst recht in die Filterblasen treibt in denen die sich dann richtig radikalisieren.
Ein bisschen inhaltliche Auseinandersetzung mit den Kommentaren ist schon ok. Wenn man das nicht will, besser gar keine Kommentarfunktion anbieten.
Ich find das immer total Unsinn auf diesem moralischem Punkt zu bestehen. Sagt doch einfach das Löschen auch Zensur ist. Man zensiert entsprechend "unfreundliche" Posts und Posts die man nicht sehen will, was ist denn so schlimm daran dieses Wort zu benutzen?
Es schämt sich doch wohl hoffentlich keiner dafür das man "moderiert"?
von zuständiger, besonders staatlicher Stelle vorgenommene Kontrolle, Überprüfung von Briefen, Druckwerken, Filmen o. Ä., besonders auf politische, gesetzliche, sittliche oder religiöse Konformität
Das lese ich da jetzt nicht so raus bzgl. Facebook und Co. Es geht um private Kommentare auf social media, nicht um Kunst oder Journalismus.
von zuständiger, [...] Stelle vorgenommene Kontrolle, Überprüfung von [Content] o. Ä., besonders auf politische,[...] sittliche oder religiöse Konformität
Fällt dir immernoch nicht auf das es da eine Überschneidung gibt?
Es geht um private Kommentare auf social media, nicht um Kunst oder Journalismus.
Es sollte keinen Unterschied machen ob etwas Kunst, Journalismus, oder ein privater Kommentar ist. Entweder es verletzt die lokal geltenden Regeln, (Forenregeln, Gesetz, Anstand) oder nicht. Wenn es verletzt wird es gelöscht. Ist doch ganz einfach?
Dieses "das ist nicht Zensur wenn wir löschen" kommt von Leuten in Machtpositionen, die sich eigentlich für die Machposition schämen wenn sie sie nutzen. Es wäre aber kein Problem einfach zuzugegeben das man diese Macht hat und so einsetzt wie man es für richtig hält. Meistens sind es gute Gründe.
Ich schon. Das spiegelt das Verhalten ziemlich exakt wieder, da es nicht auf staatlich beschränkt ist und ansonsten genau als Begründung beim Moderieren herhält
Ah ja. Deine Kinder dürfen im Kindergarten nicht mehr Hurensohn sagen? Dir schmiert jemand ein Hakenkreuz an die Hauswand? Malt nachts einen Penis auf deine Stirn? Kackt dir vor die Tür? Überall Zensur!
Das dieses Verhalten verboten ist und unterbunden wird ist gut! Ich will nicht das man damit aufhört!
"Staatliche Zensur" ist solche die sich auf die Sachen erweitert die der Staat als schädlich für den Staat ansieht.
Aber ansonsten haben wir massig Beispiele für Dinge die wir nicht sehen, nicht hören und nicht diskutieren wollen. Wenn sich jemand freiwillig dazu entscheidet eins deiner Beispiele umzusetzen und das unterbunden wird, beschränkst du da die Freiheit der Person die es tun wollte, da führt kein Weg drum herum. Aber man macht es mit gutem Grund!
Das Wort an sich tut gar nichts und beschreibt nichts bis man es mit Bedeutung füllt. Du hast das Wort als negativ im Kopf, deswegen lehnst du die Verwendung ab. Wir könnten es positiv füllen.